22.09.2016  Verfasst von Stefan Evertz, Cortex digital

Keynote IoTcamp: 3 Fragen an Sascha Pallenberg

Beim IoTcamp werden wir die zwei wichtigsten Elemente des BarCamp-Formats beibehalten: Die Vorstellungsrunde und die gemeinsame Sessionplanung. Einen inhaltlichen Impuls möchten wir durch die Integration einer kompakten Keynote realisieren. Wir freuen uns sehr, dass wir dafür Sascha Pallenberg gewinnen konnten, der sich per Livestream aus Taipeh zuschalten wird. Als kleine Einstimmung haben wir ihm vorab drei Fragen gestellt.

Was ist Dein liebstes vernetztes Gadget und warum ausgerechnet genau das?
Es bleibt wie immer das Smartphone. Das persönlichste vernetzte Gerät welches wir haben und das einzige, mit dem es möglich ist, alle anderen zu steuern. Die vernetzte Welt von morgen braucht derartige Brückentechnologien. Wer hätte denn vor 10 Jahren gedacht, dass da auf einmal ein kleiner Display-Kasten auf den Markt kommt, der das Internet der Dinge auch für Otto Normal User erfahrbar machen wird. Nicht auszudenken, wenn ich für jedes vernetzte Gerät eine eigene Fernbedienung hätte. Das sah doch bei manchem Verbraucher schon Mitte der 90er Jahre auf dem Couchtisch aus, wie in einem Raumfahrtkontrollzentrum. Und dabei hatten wir damals nur Videorekorder, Fernseher, Stereoanlage und vielleicht eine Playstation. Ohne Smartphones kein Smart Home, kein Smart Car und keine Smart City. Zumindest aus Verbrauchersicht und die müssen schließlich die Infrastrukturen wieder refinanzieren bzw. die geschaffenen Services nutzen.

Wie schätzt Du die Prognosen hinsichtlich vernetzter Geräte für die kommenden Jahre von McKinsey und Co ein?
Jede Prognose, die 5 Jahre in die Zukunft schaut und sich traut, eine Zahl zu nennen, die ist unseriös. Es sei denn, man sagt die kommenden 5 Meisterschaften des FC Bayern voraus. Sobald die ersten 5G und Gigabit Netzwerke flächendeckend verfügbar sind, wird die Anzahl der vernetzten Endgeräte exponentiell zunehmen. Jetzt diesen Faktor zu bestimmen, ist einfach nur Irrsinn. In einer Welt, die sich gerade in der westlichen Hemisphäre als alles andere als skalierbar und für die zukünftigen Herausforderungen gewappnet darstellt. Eine einfache “Versuchsfahrt” auf Bahnstrecken zwischen Hamburg – Berlin oder München – Stuttgart offenbart doch woran es mangelt. Da liegt die “Infrastruktur Bahn” schon in der Landschaft rum und dennoch schaffen es Netzbetreiber nicht, selbige zu nutzen. Nein, man versucht einem noch durch Einblendung der Anzeige “Edge” vorzugaukeln, dass man tatsächlich eine Internetverbindung hat. Schluss mit der Augenwischerei. Her mit einer kompletten LTE-Abdeckung und Start von wirklichen Flatrates. So schafft man vernetzte Geräte und nicht weil irgendein Analyst bei Cisco und Co. meint, dass man doch dem Vertrieb und Aktienkurs mal ein wenig unter die Arme greifen sollte.

Was gehört aus Deiner Sicht auf gar keinen Fall ins Internet der Dinge?
Sextoys! Und das meine ich wirklich so. Wenn du 30 Jahre lang Dildos baust, dann kannst du Dildos bauen und mehr nicht. Diese Firmen haben nicht das Know-How, Budget und die Man-Power um die Geräte abzusichern. Ich sehe schon BILD-Schlagzeilen vor mir, die jegliche Frontpage der Titanic oder des Postillons wie ein Essay der FAZ erscheinen lassen werden.

Danke für das Interview, Sascha!

Übrigens sammeln wir noch weiter Sessionvorschläge. Und Tickets gibt es auch noch.

Über Sascha Pallenberg
Sascha Pallenberg ist einer der bekanntesten deutschen Blogger. Der gebürtige Dortmunder ist 2009 nach Taiwan gezogen und hat dort u.a. den Blog Mobilegeeks gegründet. Seine Wurzeln liegen aber im Bereich Embedded Systems und IPC, weshalb er auch zum ersten Mal 2002 nach Taiwan kam, um auf Entwicklerforen zu sprechen und Firmen wie VIA, Kontron und DFI zu beraten.