Session: Smart City Sensoren

Sessiongeber / Eckdaten

Namen Sessiongeber: Max Luedov (Vortrag ) & Ekkard Kleinod (Diskussion)
Twitter: @nattsuhon / @Edgesoft

Art der Veranstaltung: Vortrag & Diskussion
Teilnehmerzahl: 20
Download der Präsentation

Verlauf / Inhalte der Session

Mögliche Inhalte der Dokumentation zur Orientierung:

  • Ausgangslage: Max Luedov stellt das „Internet of Shit“ vor, Kampagnen und Aktionen, die das Leben eher behindern, anstatt es zu vereinfachen.
  • Fragen: Angst der Teilnehmer vor Überwachung.

Vortrag

Am Anfang der Session steht die These: Sensoren bilden ein Internet of Shit (IoS). Sessiongeber Max Luedov zeigt anhand verschiedener Beispiele und Kampagnen, wie man IoT falsch verkaufen kann. Damit wird aus dem IoT das IoS, das Internet of Shit.

Beispiel 1: Der Knöllchen-Bot
Knöllchenbottler: Ein Chatbot informiert darüber, ob es risikofrei ist, an einem bestimmten Ort zu parken, ohne dass man ein Knöllchen erhält. Der Bot zeigt, wie viele Knöllchen zu dieser Uhrzeit in diesem Gebiet bisher verteilt wurden. Die Anzeige gibt die Wahrscheinlichkeit wieder, wie hoch die Gefahr ist, eine Strafe zu erhalten. Die Vorgehensweise ist eine Technik-Folgensabschätzung.

Beispiel 2: Hilfe für Obdachlose
Die Ausgangsfrage lautete: Wie kann Technologie dazu beitragen, Obdachlosen zu helfen?

  • Ein Lösungsvorschlag dafür war eine App für Studenten, die zu faul sind, ihr Leergut selbst wegzubringen. Mithilfe der App können Sie das Leergut an eine zentrale Stelle melden und Personen, die das Pfandgeld verdienen wollen, können das Leergut abholen.
  • Das Problem: Obdachlose haben kein Smartphone.
  • Als Alternative gibt es die Idee eines offiziellen Informationspunkts, an dem sich Obdachlose Infos abholen können,  z. B.: Wann und wo Supermärkte abgelaufene Produkte herausgeben oder es kostenloses Mittagessen gibt.
  • Dabei handelt es sich aber in erster Linie um ein gesellschaftliches, nicht um ein primär technisches Problem.

Weitere aktuelle Beispiele von Ideen und Dingen, die die Gesellschaft eher behindern, anstatt ihr zu helfen: Städte, die Architektur gegen Bürger einsetzen (Stichworte: Unpleasant Design und Unfriedly Architecture).

  • Städte gehen gegen Obdachlose vor, anstatt ihnen zu helfen. So gibt es beispielweise Parkbänke, die in der Mitte Streben haben und unbequem sind, so dass man sich auf den Parkbänken nicht hinlegen kann oder auch nur länger darauf verweilen möchte. Obdachlosen wird damit eine Schlafmöglichkeit genommen.
  • Mülleimer werden mit sogenannten „Pöppel“ an der Seite bestückt, damit keine Poster bzw. Sticker mehr daran angebracht werden können. Es gibt dadurch viel weniger Oberfläche, an der das Poster haften kann, und man kann das Poster schnell wieder abreißen.
  • Die Mülltonnen in Seoul sind geneigt, damit sich niemand darauf setzen und niemand Abfall darauf abstellen kann.
  • Außerdem gibt es Bänke, die so gestaltet sind, dass Skater nicht darauf skaten können, und eine Beschichtung haben, auf der Graffiti nicht haftet. Die Bänke enthalten zudem Einbuchtungen für Handtaschen, damit diese nicht geklaut werden können. Auch enthält diese Bank keine Löcher, um darin Drogen verstecken zu können.
  • Designer nennen dies ein Nicht-Objekt.

Daraus ergibt sich die Überlegung,  was passiert, wenn Städte das gleiche Prinzip auf IoT anwenden und IoT nicht offen ist. Aus IoT wird damit IoS.

Beispiel: Graffiti-Protektor

  • Dieses Gerät hört die Umgebung ab und wen Spraydosen verwendet werden, kann ein Sender dieses Geräusch als solches identifizieren. Daraufhin wird ein Sensor ausgelöst, der beispielsweise die Polizei ruft, einen Alarm auslöst oder eine Wasserfontäne aktiviert.
  • Die Reichweite des Sensors beträgt 7,5 Meter. Eine Schule müsste z. B. mit 40-50 dieser Geräte „geschützt“ werden. Zum Schutz der gesamten Fläche müssen sich Bereiche überschneiden, damit auch unterschiedliche Höhen erfasst werden. Das Management und die Anschaffung dieser Geräte ist so teuer, dass die Reinigung der betroffenen Stellen günstiger wäre. Eine vermeintliche IoT-Lösung entpuppt sich damit eher als IoS.
  • Die Graffiti-Künstler können zudem statt Spraydosen Stifte nutzen oder mit Drohnen an höheren Stellen arbeiten und damit das System umgehen. Die Graffiti- Sensoren sind also zwecklos, aber Schulen in den USA verschulden sich bereits, um diese Protektoren und zu installieren, und Unternehmen stecken weiterhin viel Geld in die Entwicklung des Produktes.

Beispiel: Werbekampagne

  • In einer Anzeige liegt ein Pärchen gemeinsam auf einer Bank im Park und freut sich offensichtlich. Aus dem Motiv wird allerdings nicht deutlich, worüber sie sich freuen.
  • Die Session-Teilnehmer vermuten: Es geht um einen digitalen Schwangerschaftstest.
  • Die Auflösung hingegen ist viel einfacher: Die Frau auf dem Motiv freut sich, dass sie Internet im Park hat. In Deutschland ist dies noch lange keine Selbstverständlichkeit.
  • Funktionsweise: Das Signal kommt von einem Lichtmast, genannt Smight als Zusammensetzung aus „Smart City“ und „Lights“. Dieser Mast kann verschiedene Funktionen erfüllen: z. B.
    • Aufladen eines Elektroautos
    • SOS-Knopf
    • Umweltdaten erfassen
    • Licht und Internet liefern
  • Aber der Mast enthält auch Videoüberwachung, inklusive Motion- und Smoke-Detection, sowie Gesichtserkennung.
  • Rauch- und Staub-Partikel können allerdings das Ergebnis verfälschen. Der Detektor muss deshalb stetig gesäubert werden. Gleichzeitig muss die Wahrscheinlichkeit, ab der ein Gesicht erkannt wird, herabgesetzt werden. Dies führt aber jedoch dazu, dass nicht mehr nur die Einzelperson gefunden wird, sondern auch andere ähnliche Personen oder z. B. T-Shirt-Aufdrucke wie Justin Bieber, der auf einem Fan-T-Shirt abgebildet ist.
  • Diese wenig durchdachten Sensoren und Funktionen verbrennen das ansonsten gute Produkt.

Diskussion:

Im Fokus der Diskussion steht die Frage, was man tun kann, um eine Stadt besser und smarter zu gestalten, ohne Bürger zu überwachen oder auszuspionieren.

  • Bewusstsein schaffen: Kunden haben Angst vor der Zukunft, haben aber bereits die meisten Daten eh schon freiwillig an die Unternehmen gegeben, wie z.B. durch die Nutzung von Payback oder Kreditkarten.
  • Man wird sich IoT nicht entziehen können. Kann man bei Facebook noch sagen „Die Plattform nutze ich nicht.“, ist fraglich, ob dies mit IoT noch möglich sein wird. Werde ich die Bahn noch nutzen können, wenn der Weg immer stärker in Richtung IoT und Datensammlung geht?
  • Interessant sind beispielsweise SmartToilets für Krankenhäuser. Diese können tracken, ob sich Personen wirklich die Hände gewaschen/desinfiziert haben. Wenn nicht, müssen sie entsprechend nachgeschult werden.
  • Anregung: Das Thema muss umgedreht werden: Die zentrale Frage sollte nicht sein, was das Unternehmen davon hat, sondern wie es dem Bürger nutzt. Dann schwindet auch die Angst vor neuen Technologien.